Hypnosystemisches Coaching Bielefeld

Hypnosystemisches Coaching und der Fokus der Aufmerksamkeit

Hypnosystemisches Coaching und die Bedeutung der Fokussierung von Aufmerksamkeit

„Wofür ist hypnosystemisches Coaching gut und was hat das mit dem Fokus der Aufmerksamkeit zu tun?“ Diese Frage könnte Ihnen durch den Kopf gehen. In diesem Beitrag möchte ich Ihnen das hypnosystemische Konzept von Dr. Gunther Schmidt näherbringen.

Während meiner Weiterbildung zur systemischen Beraterin zitierten einige Ausbilder häufig Gunther Schmidt. Das hat mein Interesse an seinem Modell zunehmend geweckt. Bei der Sommeruniversität des Metaforum International und im Milton-Erickson Institut in Heidelberg absolvierte ich schließlich verschiedene Fortbildung bei ihm und lernte dadurch praxisnah durch Übungen und Live-Coachings.

Ich konnte entdecken, das hypnosystemisches Coaching, durch gezielte Aufmerksamkeitsfokussierung, ein tieferes Verständnis der eigenen Bedürfnisse fördert und die Fähigkeit stärkt, selbstwirksame Lösungen zu entwickeln.

Gunther Schmidt und das Hypnosystemische Konzept

Dr. med. Gunther Schmidt ist ein angesehener Facharzt für psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie Ärztlicher Direktor der SysTelios-Klinik. Er leitet das Milton Erickson Institut in Heidelberg und ist Mitbegründer des Helm Stierlin Instituts für systemische Psychotherapie, Beratung und Supervision. Außerdem ist er Mitbegründer und Senior Coach des Deutschen Bundesverbands Coaching (DBVC). Im Jahr 2015 bekam Gunther Schmidt den Coaching Award Preis und 2017 den WinWinno Preis für besondere Verdienste und Leistungen verliehen.

Als Pionier integrierte er systemische Modelle und die Hypnotherapie nach Milton Erickson zum hypnosystemischen Konzept, das durch Psychodrama, Körpertherapie und Transaktionsanalyse bereichert wird. Neurowissenschaftliche Erkenntnisse fließen in seine Arbeit ein und beschreiben, wie unser Gehirn innere und äußere Reize verarbeitet.

Aus hypnosystemischer Sicht werden Probleme als „Lösungsversuche mit einem hohen Preis“ betrachtet, die durch eine Ist-Soll-Diskrepanz in der Wahrnehmung entstehen. Zu Beginn eines Coachings wird mit dem Klienten zunächst einmal geklärt, ob er ein gewünschtes Ziel überhaupt selbstwirksam erreichen kann. Und es wird gemeinsam überlegt, welche Auswirkungen es hätte, wenn sich jemand anders als bisher verhalten würde. Darüber hinaus geben Probleme wertvolle Informationen über Bedürfnisse, die im Umgang mit sich selbst und in den Beziehungen nach außen bislang zu wenig erfüllt sind.

Im Fokus des Coachings steht neben der Orientierung auf die Bedürfnisse auch die Nutzung vorhandener Ressourcen und Kompetenzen, um sie für die gewünschte Lösung einzusetzen. Das hypnosystemische Coaching ermutigt dazu, die eigenen Stärken zu erkennen und zu aktivieren, um positive Veränderungen zu ermöglichen. Wenn wir die Ist-Soll-Diskrepanz verstehen und die zugrunde liegenden Bedürfnisse identifizieren, können wir effektive und nachhaltige Lösungen entwickeln.

Die Rolle der Fokussierung im hypnosystemischen Coaching

Die Fokussierung der Aufmerksamkeit spielt eine zentrale Rolle, um zwischen einer einer Problem- und Lösungstrance zu unterscheiden. Begriffe wie Hypnose und Trance sind oft mit Vorurteilen behaftet. Viele Menschen assoziieren Trance häufig mit einem Zustand tiefer, entspannter Passivität. Doch im hypnosystemischen Ansatz verstehen wir Hypnose als einen interaktiven Prozess,  bei dem wir unsere Aufmerksamkeit auf willentliche und unwillkürliche Erlebnisse richten. Trance beschreibt dabei unwillkürliche Erlebnisprozesse, die schneller ablaufen als bewusste Reaktionen – wie wir es manchmal erleben, wenn wir sagen: „Es ist halt passiert.“

Wenn wir uns zu sehr auf ein Problem konzentrieren, geraten wir in eine „Problemtrance“. Diese verengt unseren Blickwinkel und  blockiert Lösungsansätze. Die Hirnforschung zeigt, dass unsere Erfahrungen und Fähigkeiten im Gehirn gespeichert bleiben. In dem wir bewusst positive Erlebnisse fokussieren, können wir von einer Problem- in eine Lösungstrance wechseln, unsere Selbstwirksamkeit stärken und Motivation für Veränderungen finden.

Techniken wie zirkuläre Fragen, Imaginationen, Geschichten und Metaphern werden im hypnosystemisches Coaching genutzt, um das limbische System anzusprechen und gewohnte Denkweisen zu durchbrechen. Unsere inneren Prozesse und der Kontext, in dem wir uns befinden, beeinflussen unser Erleben. Ermutigende oder ängstigende Erfahrungen aktivieren Erinnerungen im autobiographischen Gedächtnis (Hebb’sches Gesetz), was dazu führt, dass wir uns entweder als kompetent oder ängstlich wahrnehmen.

Im Coaching reflektieren wir diese Prozesse und lenken sie dann in die gewünschte Richtung, um positive Veränderungen zu fördern. Durch die bewusste Steuerung unserer Aufmerksamkeit können wir unsere innere Haltung verändern und neue Perspektiven gewinnen. So begegnen wir Herausforderungen mit mehr Zuversicht und Kreativität und entfalten unser volles Potenzial.

Körperkoordination im hypnosystemischen Coaching – Körper und Geist in Einklang bringen

Zur Stärkung des Gefühls der Selbstwirksamkeit lenken wir im hypnosystemischen Coaching gezielt die Aufmerksamkeit auf positive Erfahrungen. Diese Fokussierung beeinflusst nicht nur unseren Geist, sondern auch unseren Körper und seine Reaktionen.

Alle Signale aus der Außenwelt gelangen zur Bewertung an das Zwischenhirn, insbesondere in die Amygdala. Die dort verarbeiteten Erfahrungen lösen eine Kaskade von Reaktionen des autonomen Nervensystems aus, die unser Überleben durch Kampf, Flucht oder Todstellreflex sichern sollen. So entstehen unsere verschiedenen Emotionen und körperliche Reaktionen. Bei Bedrohung empfinden wir beispielsweise Angst, und unser Körper reagiert mit Verspannungen und flacher Atmung. In sicheren Situationen hingegen fühlen wir Freude, atmen ruhig und sind entspannt.

Der Körper wird im hypnosystemischen Ansatz als „Werkzeug“ genutzt“, um Problemmuster in Lösungsmuster zu verwandeln. Durch das Experimentieren mit Körperhaltungen und Atemmustern, die wir in angenehmen Situationen einnehmen, entwickeln wir eine „Steuer-Position“. Diese Position umfasst eine Körperkoordination mit Kopfhaltung, Blick, Atmung und Standfestigkeit. Wir verankern sie in einem „Bild“, das wir bei Bedarf abrufen können. Dieses Bild dient der Selbstregulation, um positive Erlebnisse wachzurufen und der Situation angemessen zu agieren.

Diese Methode des Embodiment, von Gunther Schmidt als „Problemlöse-Gymnastik“ bezeichnet, nutzt somatische Marker, um den Körper als Transferhilfe für mehr Gestaltungsfähigkeit und Wahlmöglichkeiten einzusetzen. Indem wir bewusst auf unsere Körperhaltung und Atmung achten, gestalten wir unser Erleben aktiv und finden in herausfordernden Situationen zu mehr innerer Ruhe und Klarheit.

Das Seitenmodell oder „Wie viele Ich’s bin ich denn?“

Das Seitenmodell ist eine wertvolle Intervention im hypnosystemischen Coaching, die uns hilft, leidvolle Prozesse besser zu verstehen. Das Modell geht davon aus, dass nicht die gesamte Person ein Problem hat, sondern nur eine bestimmte Seite von ihr. Dies kann entlastend wirken, da es die inneren Dialoge, die wir alle kennen – wie den „Inneren Kritiker“ oder den „Perfektionisten“ – beleuchtet.

Fragen wie „Wie redest du dann mit dir?“ oder „Wie alt erlebst du dich dann?“ helfen, Zugang zu diesen Seiten zu finden. Es ist ein Unterschied, ob wir sagen „Ich habe Angst“ oder „Eine Seite von mir erlebt Angst“. Letzteres stärkt das Gefühl von Kompetenz und Zuversicht in uns. Diese verschiedenen Seiten repräsentieren unsere Bedürfnisse, Interessen und Kompetenzen. Sie werden wie im Coaching wie ein Team behandelt, indem ihre Stärken gezielt für das gewünschte Ziel genutzt werden.

Für unser Selbstmanagement ist es wichtig, dass wir ein steuerndes und kooperierendes „Ich“ entwickeln, das mitfühlend mit sich selbst umgeht. Denn jede Seite in uns hat ihre eigene Stimme und Sichtweise. Diese Vielfalt können wir als innere Ressource nutzen, um kreative Lösungen zu finden. Dadurch, dass wir die verschiedenen Seiten anerkennen und integrieren, sind wir in der Lage, ein ausbalanciertes Leben zu führen.

Probleme als Loyalitätskonflikte

Im Mittelpunkt des hypnosystemischen Coaching liegt die Stärkung der Eigenkompetenz, unter Berücksichtigung der persönlichen Lebenswelt sowie der Beziehungen zu anderen Menschen. Probleme werden als Ausdruck tieferliegender Bedürfnisse und missachteter Interessen gesehen. Sie können innerhalb von Systemen sogar als beziehungsstiftende Kräfte wirken, indem sie soziale Bindungen und Sicherheiten schaffen. Diese Dynamik wird als „bezogene Individuation“ bezeichnet.

Loyalitätskonflikte treten häufig auf, wenn wir versuchen, den Erwartungen anderer gerecht zu werden, was jedoch oft mit persönlichem Leid verbunden ist. Diese Konflikte beeinflussen sowohl unsere Beziehung zu uns selbst als auch zu anderen und führen zu  Ambivalenzen. Es ist wichtig, dass wir diese Zwickmühlen behutsam angehen, da Veränderungen Zeit und Geduld erfordern. Sogenannte „Ehrenrunden“ – also das wiederholte Durchlaufen bestimmter Muster – sind Teil des Lernprozesses und bieten uns die Möglichkeit, neue Verhaltensweisen zu erproben.

Ein zentraler Aspekt des hypnosystemischen Coachings ist die „Kosten-Nutzen-Analyse“, bei der wir die Auswirkungen von Problem- und Lösungsmustern auf bedeutende Beziehungssysteme untersuchen. Bei Ambivalenzen hilft es uns, ein Ziel zu entwickeln, das sowohl Autonomie als auch Loyalität berücksichtigt. Diese Sowohl-als-auch-Perspektive ermöglicht, persönliche Freiheit und Verbundenheit in Einklang zu bringen.

Zusätzlich betont das hypnosystemische Konzept die Bedeutung von Achtsamkeit und Selbstreflexion. Wenn es uns gelingt, unsere Bedürfnisse und die Dynamiken unserer Beziehungen besser zu verstehen, können wir bewusstere Entscheidungen treffen. Dies führt zu einem erfüllteren Leben, in dem wir unsere Ressourcen und Kompetenzen optimal nutzen, um positive Veränderungen zu bewirken.

Restriktionen und „Zweitbeste Ziele“

Der Umgang mit Restriktionen kann eine echte Herausforderung sein. Oft fühlen wir uns, als wären wir den Umständen ausgeliefert. Manche Menschen kämpfen bis zur Erschöpfung gegen das Unveränderliche, während andere sich resigniert ihrem Schicksal fügen. In solchen Momenten ist es entscheidend, den Blick auf das zu richten, was wir selbst gestalten können. Indem wir uns auf ein „zweitbestes Ziel“ konzentrieren, erleben wir trotz der Einschränkungen ein Gefühl von Kompetenz und Selbstwirksamkeit.

Wenn unser „Sehnsuchtsziel“ momentan unerreichbar scheint, löst dies in uns oft Frustration oder Wut aus. Dann ist es wichtig, dass wir unsere Wünsche wertschätzend betrachten und die Hoffnung nicht aufgegeben. Denn vielleicht ist unser eigentliches Ziel zu einem späteren Zeitpunkt und unter anderen Bedingungen doch erreichbar.

Im hypnosystemischen Coaching wird der Widerstand und die Skepsis des Klienten nicht als Hindernis gesehen, sondern als wertvolle Information was für eine Lösung noch gebraucht wird. Wir entscheiden uns dann bewusst, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten und welche Haltung wir in schwierigen Situationen einnehmen. Diese Entscheidung bestimmt, ob wir von einer Problemtrance zu einer Lösungstrance wechseln. Wenn wir uns für die Lösungstrance entscheiden, öffnen wir uns für neue Möglichkeiten und Wege, die uns helfen, konstruktiv mit den Herausforderungen umzugehen.

Hypnosystemisches Coaching – Wahlfreiheit, Orientierung und Kompetenzerleben

Hypnosystemisches Coaching ist ein effektiver Ansatz, um persönliche und berufliche Herausforderungen zu meistern. Gunther Schmidt (2016: 97) beschreibt es treffend: „Wahlfreiheit zu haben und das Gefühl, selbst steuern zu können und Sinn gebende Erklärungen und Orientierung aufbauen zu können, sind entscheidende Elemente eines Lösungsmusters.“

Fokus auf Selbstwirksamkeit

Der hypnosystemische Ansatz fördert die Selbstwirksamkeit, indem er die Aufmerksamkeit auf Kompetenzerleben lenkt. Durch die Kombination von klassischen systemischen Methoden mit sinnlichen Erlebnissen wie inneren und äußeren Bildern, Dialogen, Atemmustern und Körperkoordinationen, werden „innere Filme“ zielorientiert verändert. Dies ermöglicht das Durchbrechen alter Muster und die Initiierung neuer Wege.

Synergie von kognitiven und intuitiven Kompetenzen

Im Coaching, der Beratung und Supervision nutze ich das Hypnosystemische Konzept, um durch gezielte Lenkung der Aufmerksamkeit (Priming) eine Synergie zwischen kognitiven und intuitiven Kompetenzen zu schaffen. Diese Vorgehensweise ermöglicht eine schnelle und effektive Selbststeuerung, sodass Sie Ihre Ziele selbstwirksam erreichen können.

Mein Angebot – Entdecken Sie Ihre Kompetenzen

Mit einer respektvollen Haltung unterstütze ich Sie dabei, Ihre individuellen Kompetenzen und Lösungswege zu entdecken. Sollten Sie neugierig geworden sein oder Fragen haben, stehe ich Ihnen gerne für einen persönlichen Kontakt zur Verfügung.

Weiterführende Quellen

Für weitere Einblicke empfehle ich Ihnen das Interview „Burnout ist eine Kompetenz – Gunther Schmidt im TV-Interview“ auf dem Weiterbildungsportal Managerseminare. Hier werden wichtige Aspekte des Hypnosystemischen Konzepts und die Sichtweise auf Burnout erklärt. Zudem bietet die ARD-Mediathek mit „Heilen mit Hypnose – Die Macht der inneren Bilder“ interessante Informationen zur Arbeitsweise von Dr. Gunther Schmidt. Das Fachbuch „Liebesaffären zwischen Problem und Lösung“ sowie der Blogbeitrag „Podcast – Hypnosystemisches Coaching“ bieten weitere Vertiefungen.